Türöffner Bilderbuchprojekt – ein Buch für das eigene Kind gestalten

Konzept

Besonders in den ersten Lebensjahren ist es für Kinder wichtig, das Lesen und Schreiben im familiären Alltag zu erleben. Gemeinsam mit den Eltern entdecken Kinder die Welt der Geschichten, Bücher und Buchstaben. Im vertrauten Familienkreis machen sie positive Erfahrungen mit Schrift, bekommen Spaß an Büchern und werden neugierig auf das Schreiben. Das ist eine grundlegende Voraussetzung für das Lesen und Schreiben lernen in der Schule. Doch nur in jeder zweiten Familie glauben Eltern, die Lesemotivation ihrer Kinder aktiv fördern zu können. Jedem dritten Kind wird selten oder gar nicht vorgelesen.

Ein BilderbuchDas Gestalten eines Bilderbuches für das eigene Kind – mit Familienfotos, Bildern und Texten in der jeweiligen Muttersprache – soll in den Familien den emotionalen Bezug zum Buch stärken. Das Bilderbuch-Projekt bietet außerdem gute Gelegenheiten, um mit Eltern über das Thema Leseförderung in der Familie ins Gespräch zu kommen. Die Mütter und Väter werden ermutigt, ihren Kindern positive Erfahrungen mit Büchern zu ermöglichen – auch wenn sie selbst noch Schwierigkeiten mit Sprache oder Schrift haben.

Zielgruppe

Durch das Projekt sollen Eltern kleiner Kinder (0-6 Jahre) erreicht werden. Das Bilderbuchprojekt wird Elterngruppen in Stadtteiltreffs, Kulturzentren und Kitas angeboten.

Zeitraum

Die meisten Gruppen wurden zunächst ein Mal besucht. Das Material für die Bilderbücher wurde verteilt und mit der Bilderbucharbeit begonnen. Die weitere Gestaltung der Bücher wird während der folgenenden Treffen fortgesetzt – unter Anleitung der jeweiligen Elternbegleiterinnen oder Sozialpädagoginnen. Die Müttergruppen sollen in Abständen immer wieder zu besucht werden jeweils mit
einer neuen kreativen Idee (z.B. Namensschilder für die Kinderzimmer basteln)
und erneuten Gesprächen über Schriftkultur in den Familien, um am Thema
„dran zu bleiben“.
Einigen Gruppen wurden bereits mehrfach besucht oder das Bilderbuch-Projekt durchgängig begleitet (vier bis fünf Besuche).

Material

    • Fotokarton, Tonkarton, Bänder zum Zusammenbinden
    • Scheren, Stifte, Klebstoff (ist in manchen Gruppen vorhanden)
    • Ausmalvorlagen beliebter Motive wie Haustiere, Pferde und Ponys, Fahrzeuge, Dinosaurier, Ritter, Piraten und bekannte Figuren z.B. Schlümpfe, Cars-Autos, Hello Kitty, Prinzessin Lillifee
    • ausgeschnittene Fotos aus alten Zeitschriften und Werbeprospekten (alles was Kinder interessieren könnte)
      Eltern können Familienfotos mitbringen (oder später zu Hause einkleben)
    • Elterninfo „Ein eigenes Bilderbuch gestalten“ (siehe Lernmaterial für Eltern)

Erfahrungen

Innerhalb eines Jahres konnten ca. 80 Mütter und zwei Väter erreicht werden. Das Bilderbuchprojekt erweist sich als zuverlässiger Türöffner in verschiedene Elterngruppen. Oft sind es Mutter-Kind-Gruppen mit Kindern bis zu drei Jahren. Dadurch werden Eltern frühzeitig für das Thema Leseförderung in Familien sensibilisiert. Die Gestaltung eines Bilderbuchs für das eigene Kind kommt bei den Müttern sehr gut an. Sie haben große Freude an der kreativen Arbeit. Familienfotos, Bilder aus Zeitschriften, ausgemalte Motive oder selbst gemalte Bilder werden auf Karton geklebt und die Seiten gelocht und gebunden. Manche Mütter lassen ihr Kind eigene Seiten gestalten oder etwas ausmalen und beziehen es so in die Gestaltung des Bilderbuchs ein. Das Deckblatt wird jeweils mit dem Vornamen des Kindes gestaltet.

Ein BilderbuchFür viele Mütter ist es wichtig, dass das Material stark vorstrukturiert ist. Besonders die Ausmalvorlagen sind hilfreich. Eine ganz freie Gestaltung wäre für manche Mütter schwierig und könnte Versagensängste hervorgerufen. Durch das bereit gestellte Material kann jede Mutter sofort beginnen. In den Mutter-Kind-Gruppen entsteht schnell ein kreatives Chaos, denn die Kleinen interessieren sich sehr für Bilder, Stifte, Klebstoff und Scheren. Es ist nicht ganz einfach, in dieser Situation Gespräche mit den Müttern zu führen, aber es lohnt sich.

Die Gespräche zeigen, dass es in manchen Familien nur sehr wenige oder keine Bücher gibt. Manche Mütter sprechen noch nicht Deutsch, sind nicht alphabetisiert oder haben Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Sie trauen sich nicht zu, ihrem Kind etwas vorzulesen. Diese Frauen werden ermutigt, mit ihren Kindern Bücher anzuschauen und in der jeweiligen Muttersprache über die Bilder zu sprechen. In fast jeder Gruppe gibt es Mütter, die ihren Kindern oft vorlesen und Kinderbibliotheken besuchen. Ihre Erfahrungen geben Impulse für die Mütter, die sich noch nicht trauen oder noch keine Informationen über die Bedeutung des frühen Vorlesens haben. Alle Gespräche zielen auf Bestärkung und Ermutigung.

Broschüre „Fit für die Schrift“ und Buchgeschenke

Durch Bücher aus dem Verschenk-Markt und Privatspenden konnte jede Mutter am Ende des Besuchs ein Bilderbuch für ihr Kind aussuchen. Zusätzlich erhielten die Mütter die Broschüre „Fit für die Schrift“. Diese Geschenke erfreuen sich großer Beliebtheit, runden den Besuch positiv ab und erinnern ebenso wie das selbst gestaltete Buch an das Projekt.

 

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Kathleen Bleßmann
Kathleen Bleßmann entwickelt Family Literacy- Konzepte und Materialien. Sie sind vielfältig einsetzbar in Lese-Schreibkursen, Elternkursen oder in der aufsuchenden Bildungs- und Sozialarbeit mit Müttern und Vätern.

Broschüre

Dieses Heft beschreibt die ersten wichtigen Schritte auf dem Weg zur Schrift in einfacher Sprache. Es enthält Anregungen und Ideen, wie Eltern ihre Kinder dabei begleiten und unterstützen können.

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