Impulse für Grundbildung in der Schweiz

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Experten-Workshop mit den Referenten Achim Scholz (6.v.r.) und Kees Hammink (8.v.r.)

Experten-Workshop mit den Referenten Achim Scholz (6.v.r.) und Kees Hammink (8.v.r.)

Auf Einladung von Urs Chiara vom Büro SoliWerk, einem Büro für soziale Projekte und Vernetzung in Almens im Kanton Graubünden, referierte und diskutierte Grundbildungsexperte Achim Scholz am 19. Juni 2015 in zwei Workshops zur aufsuchenden Bildungsarbeit mit Fokus auf einheimische Betroffene in der Schweiz.

Auf Teilnehmerseite waren 16 der wichtigsten Akteure im Bereich Grundbildung und Grundkompetenzen im Hotel Euler in Basel versammelt: Das Bundesamt für Bildung, Forschung und Innovation, Vertreter der Behörden aus 3 Kantonen, aus der Fachkommission der Erziehungsdirektoren, den Dachverbänden Lesen und Schreiben sowie des Verbandes für Erwachsenenbildung und Fachpersonen aus Projekten und Anbieterorganisationen verschiedener Kantone.

Da in der Schweiz mit 8 Millionen Einwohnern und 800.000 Personen mit einer Lese- und Schreibschwäche derzeit nur 2500 Personen in Grundbildungskursen lernen, diente die Veranstaltung als Impuls für neue Projektanträge mit dem Fokus auf Grundbildungszentren, Selbsthilfegruppen der Betroffenen und Botschafterinnen.

Im ersten Experten-Workshop thematisierte Achim Scholz die Selbstorganisation von Lernenden in Deutschland am Beispiel der ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg. Die Motive der Gründer, Formen der Öffentlichkeitsarbeit, die vielfältigen Aktivitäten, notwendige Unterstützungsleistungen und die Prinzipien der Begleitung standen im Mittelpunkt.
Die anschließende Diskussion streifte die Themen Lerner-Autonomie, Expertenwissen von Betroffenen, notwendige Ressourcen, Schulungsangebote, Netzwerkstrukturen, Freiwilligenarbeit und das Glück, dass zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort die richtigen Menschen agieren können. Bisher gibt es in der Westschweiz eine erste Selbsthilfegruppe von Betroffenen.

Im zweiten Workshop referierte Kees Hammink aus den Niederlanden, ebenfalls mit über 30-jähriger Erfahrung im Bereich Grundbildung und 20 Jahre Präsident des Vereins Stichting ABC, über das Botschafter-Konzept der Lernenden. 150 Botschafter als Betroffene mit Erfahrungsexpertise stimmen gemeinsam in 6 regionalen Gruppen ihre Aktionen ab. Beeindruckend war die Schilderung der Autonomie und Hartnäckigkeit der Botschafter bei Hausbesuchen und Allianzen mit kommunalen und betrieblichen Partnern.

Im dritten Workshop erläuterte Achim Scholz die Arbeit der Regionalen Grundbildungszentren in Niedersachsen unter den Aspekten ihrer Entstehung, der Aufgabenstellung und Schwerpunktsetzung und des Ergebnistransfers – insbesondere anhand von Beispielen der aufsuchenden Bildungsarbeit.
Diskutiert wurden Möglichkeiten der Übertragung dieses Konzeptes auf die Bedingungen der Schweiz, die Notwendigkeit von Regelstrukturen und –förderung sowie der Grundbildungsbegriffes.

Die Abschlussrunde beschäftigte sich mit folgenden Fragen: Wie kann in der Schweiz aufsuchende Bildungsarbeit organisiert werden, um neue Betroffene zu gewinnen? Welche Maßnahmen können über welche Instrumente gefördert werden? Wie können Synergien durch Kooperationen entstehen? Wie kann ein Recht auf Grundbildung auch für einkommensschwache Erwachsene verwirklicht werden? Welche Visionen nähren die Erfahrungen der Lerner-Bewegung in Deutschland und der Botschafter-Bewegung in den Niederlanden?

Am Ende stand das Ergebnis, sich in einer Arbeitsgruppe zukünftig auf eine Stossrichtung zu einigen, vielleicht mit differenzierten Ansätzen je nach Region. Wir werden die Entwicklung bei den Schweizer Freunden gespannt verfolgen!

v.l. Achim Scholz, Urs Chiara und Brigitte Pythoud (Tagungsorganisation), Kees Hammink

v.l. Achim Scholz, Urs Chiara und Brigitte Pythoud (Tagungsorganisation), Kees Hammink