RGZ Oldenburg beim Praxistag
Grundbildung

Kommentare deaktiviert für RGZ Oldenburg beim Praxistag
Grundbildung
von li.: Nadine Engel, Kathleen Bleßmann, Achim Scholz, Karsten Cornelius, Ernst Lorenzen am Infostand | Foto: Axel Herzig

von li.: Nadine Engel, Kathleen Bleßmann, Achim Scholz, Karsten Cornelius, Ernst Lorenzen am Infostand | Foto: Axel Herzig

Beim Praxistag Grundbildung am 17.01.2017 in der Ada- und – Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover waren fünf Akteure des RGZ Oldenburg beteiligt. Sie boten drei von acht Workshops und einen Infostand für die zahlreichen Besucher an.

In den vergangenen fünf Jahren haben acht Regionale Grundbildungszentren (RGZen) mit geringen Ressourcen bzw. viel Eigenleistung vielfältige Lernangebote und innovative Lernmodelle ins Leben gerufen, Netzwerke in den Regionen aufgebaut und Fortbildungen organisiert. Der Praxistag präsentierte die Ergebnisse dieser jahrelangen Arbeit einem Fachpublikum.

Die acht RGZ-Vertreter bei der Präsentation auf der Bühne | Foto: Axel Herzig

Die acht RGZ-Vertreter bei der Präsentation auf der Bühne | Foto: Axel Herzig

In seinem Grußwort machte Dr. Martin Dust als Geschäftsführer der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB) darauf aufmerksam, dass nach der bisherigen Anschubfinanzierung eine wesentlich bessere finanzielle Ausstattung der RGZen nötig ist. Außerdem seien für eine flächendeckende Grundbildungsversorgung in Niedersachsen weitere RGZen unbedingt notwendig.

Ralf Häder als Geschäftsleiter des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung e.V. bezeichnete in seinem Vortrag „10 Spotlights auf 10 Jahre“ die RGZen in Niedersachsen als Vorreiter für die Alphabetisierung und Grundbildung, forderte eine verbesserte Beschäftigungssituation und Nachwuchssicherung sowie eine bessere finanzielle Ausstattung der RGZen.

Die für die Erwachsenenbildung zuständige Ministerin Gabriele Heinen-Kljajić versprach eine baldige gebührenfreie Grundbildung in Niedersachsen. Sie wolle beim Thema Grundbildung mehr Partner ins Boot holen und einen großen Anteil der 180 Millionen Euro, die der Bund für die gerade begonnene Dekade zur Alphabetisierung und Grundbildung bereitgestellt hat, nach Niedersachsen holen.

Nadine Engel und Karsten Cornelius in ihrem Workshop | Foto: Axel Herzig

Nadine Engel und Karsten Cornelius in ihrem Workshop | Foto: Axel Herzig

Im Workshop „Digital lernen: Neue Formate“ wurde Beluga, die berufsbezogene Lernsoftware für den Grundbildungsbereich vom Entwicklerteam Nadine Engel und Karsten Cornelius vorgestellt. Sie erläuterten den Funktionsumfang und das Konzept des Programms. Weiterhin gaben sie Einblicke in die bisherige und die geplante Entwicklung. Im gut besuchten Workshop konnte Beluga selbst ausprobiert werden. Die Hälfte der Teilnehmenden kannte Beluga bereits, allerdings nicht in vollem Umfang. So gab es für alle noch die neuen Lernspiele zu entdecken, das Handbuch mit hilfreichen Erläuterungen zu den Anwendungen und die Linkliste im Internet. Neben viel positivem Feedback gab es auch diverse Nachfragen und Anregungen. Dabei zeigten sich die vielfältigen Bereiche, in denen Beluga schon jetzt Anwendung findet. Insbesondere im Bereich Integration/Deutschlernen ist das Interesse sehr groß. Auch die Ausdehnung auf andere Zielplattformen, hier vor allem Mobilgeräte, steht ganz oben auf der Wunschliste.

Kathleen Bleßmann beim Kurzvortrag | Foto: Axel Herzig

Kathleen Bleßmann beim Kurzvortrag | Foto: Axel Herzig

Im Workshop „Family Literacy: Junge Eltern stärken“ gab es 16 Teilnehmende, darunter eine Lernende, Kursleiterinnen und Mitarbeiterinnen verschiedener Institutionen der Erwachsenenbildung. Anhand eines anschaulichen bebilderten Kurzvortrages informierte Kathleen Bleßmann die Teilnehmenden über die wichtige Rolle der Familie beim Schriftspracherwerb sowie neue Studien zum Thema. Anschließend wurde das Oldenburger Family Literacy-Projekt sowie die Broschüren „Fit für die Schrift“ und „Jeden Tag ein Bilderbuch“ vorgestellt. Es gab viele Fragen, die in der Kürze der Zeit nicht alle beantwortet werden konnten – vor allem zur praktischen Umsetzung des Projektes. Wie reagieren Mütter und Väter auf die Angebote? Outen sich dort Menschen mit Lese-Schreibproblemen? Können Eltern, die nicht lesen können einbezogen werden? Welche Multiplikatoren unterstützen das Projekt? Viele Teilnehmende können sich vorstellen, die Family Literacy-Idee in ihren eigenen Arbeitsbereich mit einzubeziehen.
Die zweite Hälfte des Workshops wurde von zwei Kolleginnen des RGZ Weserbergland der Ländlichen Erwachsenenbildung in Niedersachsen e.V. gestaltet. Sie stellten ihr Väterprojekt „Fit für die Familie“ vor, das seit einigen Jahren im Strafvollzug junger Männer angeboten wird.

Achim Scholz diskutiert im Workshop über Selbsthilfegruppen | Foto: Axel Herzig

Achim Scholz diskutiert im Workshop über Selbsthilfegruppen | Foto: Axel Herzig

Im Workshop „Selbsthilfegruppen coachen: Neue Formen der Ansprache“ waren Ernst Lorenzen als Gründer und Achim Scholz als Mentor der ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg beteiligt. Mit Unterstützung der Lernerin Diana Brandt Olm von der Selbsthilfegruppe Wortblind und ihrer Lernbegleiterin Stefanie Voß-Freytag aus Lüneburg sowie Maren Gühne-Gecks von der ABC-Selbsthilfegruppe Hannover wurden die Erfahrungen der drei niedersächsischen Selbsthilfegruppen (SHG) für Menschen mit einer Lese- und Schreibschwäche dargestellt. Dafür waren 43 Stichwörter in den Kategorien Voraussetzungen, Fortbildung und Beratung sowie Aufgaben plakatiert worden. Die Fragen der Teilnehmenden – Kursleitende, Bildungsplaner und Verbandsvertreter aus Niedersachsen, Hessen und NRW – bezogen sich vor allem auf die „Geburtshilfe“ einer SHG, ihre Aufgaben und Rollenverteilung, die Gewinnung neuer Lernender und das Medientraining. Deutlich wurde ein notwendig herzustellendes Gleichgewicht zwischen einer „heilbaren Innenwirkung“ (dem ursprünglichen Sinn einer SHG) und der öffentlichkeitswirksamen Interessensvertretung. Dabei sollte die Arbeit einer SHG nicht mit Ansprüchen an politisches Engagement überfrachtet werden, sie aber die jeweils notwendige Unterstützung erhalten.

Kathleen Bleßmann und Achim Scholz am Infostand des RGZ Oldenburg | Foto: Axel Herzig

Kathleen Bleßmann und Achim Scholz am Infostand des RGZ Oldenburg | Foto: Axel Herzig

Am Ende skizzierten Dr. Kay Sulk vom Landesverband der VHSen und Oksana Janzen von der AEWB die Zukunft der Grundbildungspraxis in Niedersachsen aus Sicht der RGZen: Sie bleiben Motor von Innovationen, sind ein bundesweites Referenzmodell und nehmen eine zentrale Rolle bei der Neuaufstellung der Grundbildungspraxis ein.
Zentrale Herausforderungen sind u.a. die finanzielle Aufstockung der RGZen, die Abschaffung prekärer Beschäftigung und die Intensivierung des Transfers innovativer Konzepte, Produkte und Fortbildungen.

 

0