Aktionstag Lesen & Schreiben

Foto | Frank May für BMBF: Schlüsselübergabe in Oldenburg, Dagmar Sachse, Sozialdezernentin der Stadt Oldenburg(Mitte), Thomas Bartelt, Bundesministerium für Bildung und Forschung (Mitte links), Dr. Josef Lange, Staatssekretär im Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur (Mitte rechts), Achim Scholz, VHS Oldenburg (dritter von links, Lernende der ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg © 2012

Etwa 100 Gäste aus Politik, Bildungswesen und Arbeitswelt waren am 21.11.2012 zum Aktionstag und Start einer multimedialen Ausstellung „Lesen & Schreiben – Mein Schlüssel zur Welt“ in die Volkshochschule Oldenburg gekommen.

„Alphabetisierung geht uns alle an“, erklärte Thomas Bartelt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). „Wir besuchen mit unserer bundesweiten Kampagne gezielt regionale Vorzeigeprojekte, um eine breite gesellschaftliche Vernetzung wie hier in Oldenburg voranzutreiben. Wir dürfen da nicht mehr wegschauen.“

Die im September gestartete Informationsoffensive des BMBF setzt mit neuen Fernseh- und Kinospots, mit Plakaten, Aktionstagen und einer Ausstellung zur Alphabetisierung auf Sensibilisierung der Öffentlichkeit, mehr Regionalität und auf Erfolgsgeschichten von Lernenden.

In seiner Eröffnung wies Achim Scholz darauf hin, dass die VHS trotz guter, differenzierter Lernangebote bisher nur etwa ein Prozent der 15.000 betroffenen funktionalen Analphabeten in Oldenburg erreiche und daher bei der Ansprache den Mitwissern bzw. Schlüsselpersonen im persönlichen Umfeld der Betroffenen – Verwandten, Freunden und Arbeitskollegen – eine zentrale Rolle zukomme.

„Die Lernenden sind die besten Botschafter“, leitete Achim Scholz das europäische Manifest der Lernenden ein, das von fünf Mitgliedern der ABC-Selbsthilfegruppe vorgetragen wurde. Gefordert werden darin mehr Investitionen im Bereich der Erwachsenenbildung, kostenfreie Grundbildung für alle und mehr Mitspracherecht bei der Konzeption von Bildungsprogrammen.
 
Was die Politik in Bund, Land und Stadt zur Verbesserung der Situation unternimmt und wie die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure optimiert werden kann, schilderten in einer ersten Talkrunde Thomas Bartelt (BMBF), Dr. Josef Lange (Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur) und Dagmar Sachse (Sozialdezernentin der Stadt Oldenburg).

Vertreter der ABC-Selbsthilfegruppe, der VHS und des Jobcenters sowie ein wichtiger Sponsor und ein Unternehmer schilderten in einer zweiten Talkrunde die Problemlage aus ihrer je eigenen Sicht und wie sie sich für die Belange der Betroffenen einsetzen. „Die Menschen müssen einfach wissen, dass sie nicht alleine sind, dass es Erwachsene mit ähnlichen Problemen gibt. Und dass es konkrete Unterstützung gibt, wenn man lesen und schreiben lernen möchte“, sagte Ernst Lorenzen von der ABC-Selbsthilfegruppe. Achim Scholz merkte an: „Aufstiegschancen im Beruf werden oft nicht wahrgenommen, weil damit in der Regel mehr Schreibarbeit verbunden ist. Betroffene ziehen sich in der Regel zurück oder kündigen gar, weil sie Angst davor haben, enttarnt zu werden.“ Hier setzt ein vom BMBF neu gefördertes Projekt „Arbeitsplatzbezogene Bildung bringt Chancen (abc+)“ der VHS an. Es wendet sich insbesondere an gering qualifizierte Erwerbstätige und entwickelt Lernwerkstätten mit Aufgaben und Übungen zum Lesen- und Schreibenlernen – zunächst im Arbeitsumfeld des Reinigungsgewerbes und in enger Kooperation mit dem Oldenburger Unternehmer Stefan van der Pütten.

Informationsstände zu Lernmaterialien und innovativen VHS-Projekten und die Infostelen der multimedialen Ausstellung luden die interessierten Besucher abschließend zu einem Austausch über Alphabetisierung, zu Fachgesprächen und Verabredungen für zukünftiges Handeln ein – gemäß dem von Thomas Bartelt ausgegebenen Motto: „Alphabetisierung geht uns alle an!“

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