Expertise vom RGZ Oldenburg

 von li.: Achim Scholz, Nadine Engel, Isabelle Bloedorn, Kathleen Bleßmann | Foto: Katharina Nordenbrock


von li.: Achim Scholz, Nadine Engel, Isabelle Bloedorn, Kathleen Bleßmann | Foto: Katharina Nordenbrock

Bei einem Austauschtreffen zwischen dem Regionalen Grundbildungszentrum (RGZ) der VHS Oldenburg und der Stiftung Lesen stellte Isabelle Bloedorn das Projekt REACH (Reaching young adults with low Achievement in literacy) der Stiftung Lesen vor. Einerseits sondiert REACH mögliche Zugangswege funktionaler Analphabeten, ausgehend von der bisherigen Praxis der Alphabetisierung und Grundbildung. Andererseits analysiert das Projekt die Zielgruppe und ihre Lebenswelt. Nach der Auswertung einer Vielzahl von Datenquellen, Tiefeninterviews mit Angehörigen der Zielgruppe und Gruppendiskussionen mit Multiplikatoren werden konkrete Zugänge und Möglichkeiten der Ansprache pilothaft umgesetzt und begleitend evaluiert.

Die Gespräche in Oldenburg dienten dem Erfahrungsaustausch rund um Aktivierung und Motivation von Teilnehmenden in Lese- und Schreibkursen bzw. Selbsthilfegruppen Betroffener.

Kathleen Bleßmann vom Präventionsprojekt Family Literacy des RGZ berichtete vom Mütter-Kurs, Bilderbuchprojekten (für bestehende Mutter-Kind-Gruppen), mehrsprachige Vorlesenachmittage, Offene Lernwerkstätten sowie Multiplikatoren-Schulungen für Erzieherinnen, Integrationslotsen und Familienhelferinnen. Thema waren auch die Gespräche mit Müttern über das Vorlesen in der Familie. Frau Bloedorn interessierte sich für die Reaktionen von Multiplikatoren in den Schulungen, die Aktivierung von Eltern aus Family Literacy-Angeboten in Alphakurse und den großen Zulauf in die Offenen Lernwerkstätten, hier besonders die Teilnehmergewinnung.

Nadine Engel stellte die Lernsoftware Beluga vor und erläuterte die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten. Auch hier stand die Motivation von Anwendern bzw. Lernenden im Vordergrund. Zum einen lernt man schnell mit Beluga umzugehen, weil der Aufbau sehr klar und übersichtlich ist. Zum anderen haben die Lernenden Spaß bei den Lernspielen und schnell Erfolgserlebnisse. Denn sie stellen fest, dass sie die Aufgaben bewältigen können. Das liegt unter anderem an dem nach linguistischen Kriterien eingestuftem Wortmaterial, so dass innerhalb einer Schwierigkeitsstufe eine Überforderung weitestgehend ausgeschlossen ist. Die Lernenden können zudem Punkte sammeln und ihre Bearbeitungszeit vergleichen. Auch das sind Aspekte, die sehr motivierend wirken.

Achim Scholz sprach schließlich über die Aktivitäten der ABC-Selbsthilfegruppe und die Motivation ihrer Mitglieder bei der Öffentlichkeitsarbeit. Dabei begreifen sie ihren Status sowohl als Lernende als auch als Lerner-Experten, die ihre Erfahrungen in öffentlichen Präsentationen weitergeben und als Mutmacher und Brückenbauer in die Lese- und Schreibkurse fungieren. Einen großen Erfolg erzielten bisher die Schulungen von Integrationsfachkräften und Fallmanagern der Jobcenter unter Beteiligung von Lerner-Experten. Ein großes Potential scheint noch in der verstärkten Ansprache des Personals in Gesundheitseinrichtungen zu liegen.

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