Grundbildung und Gesundheit

Von li.: Achim Scholz, Akteure der ABC-SHG, Sozialversicherungsangestellte im 3. Lj., Ausbildungsleiterin Gudrun Stolle

Von li.: Achim Scholz, Akteure der ABC-SHG, Sozialversicherungsangestellte im 3. Lj., Ausbildungsleiterin Gudrun Stolle

„Wer Beipackzettel nicht verstehen, Medikamente nicht richtig dosieren oder Hygienevorschriften nicht befolgen kann, gefährdet sein körperliches Wohlbefinden.“ Mit diesen Worten wurde Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes im Ärzteblatt vom 17. Mai 2018 zitiert. Die VHS Oldenburg zielt mit ihren Angeboten an Lese- und Schreibkursen nicht nur auf eine Verbesserung der Schriftsprachkompetenz, sondern ebenso auf eine bessere Gesundheitskompetenz. In Vorgesprächen mit dem Servicezentrum der AOK Oldenburg wurde ein Workshop mit Lerner-Experten der ABC-Selbsthilfegruppe und Auszubildenden der AOK vereinbart.

Am 29. Januar 2019 war es dann soweit: Drei Akteure der ABC-Selbsthilfegruppe und Alphabetisierungspädagoge Achim Scholz wurden von zwölf Sozialversicherungsfachangestellten im 3. Lehrjahr aus Ostfriesland, Jade und Oldenburg sowie Gudrun Stolle, seit 36 Jahren Ausbildungsleiterin, im Schulungsgebäude der AOK-Gesundheitskasse empfangen.

Die Auszubildenden hatten sich mit Fragen bestens auf den Erfahrungsaustausch vorbereitet. Zunächst umriss Achim Scholz die Wirkzusammenhänge zwischen Analphabetismus und einem schlechten Gesundheitszustand. Er verwies auf das Wissenschaftsprojekt „HEAL“ – Health Literacy im Kontext von Alphabetisierung und Grundbildung, das Handlungsempfehlungen für Politik, Gesellschaft und Wirtschaft entwickeln will. Weiterhin nannte er eine Studien aus den Niederlanden, wonach hohe volkswirtschaftliche Kosten auch im Gesundheitswesen eingespart werden könnten, wenn funktionalem Analphabetismus strukturell begegnet würde.

Hermann Fickenfrers, Klaus Maaß und Ernst Lorenzen veranschaulichten mittels ihrer eigenen Lebensgeschichten das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen durch eine Lese- und Schreibschwäche. Sie stießen auf ein großes Interesse bei den Auszubildenden. Es gab Fragen nach den Ursachen und Folgen, nach dem Versagen der Schule, nach der Reaktion des persönlichen Umfeldes und dem Zeitpunkt, als der Problemdruck keine andere Wahl als die Anmeldung zu einem Kurs bei der VHS zuließ.

Die AOK-Kundenberater werden generell geschult, Verständnis und Empathie bei einer Lese- und Schreibschwäche aufzubringen, ggf. Formulare vorzulesen und beim Ausfüllen behilflich zu sein.

Die Auszubildenden äußerten sich in der Abschlussrunde aber dankbar für die Möglichkeit, durch die offen vorgetragenen persönlichen Lebensgeschichten noch stärker für die Problematik von Menschen mit einer Lese- und Schreibschwäche sensibilisiert worden zu sein.

3+