Lebendige Bibliothek

von li. "Buchausleiher" und die "Bücher" Ernst Lorenzen und Brigitte van der Velde

von li. „Buchausleiher“ und die „Bücher“ Ernst Lorenzen und Brigitte van der Velde

Als ehemalige funktionale Analphabeten erzählten Ernst Lorenzen und Brigitte van der Velde ihre Lebensgeschichten im Rahmen einer Lebendigen Bibliothek. In diesem Veranstaltungsformat übernehmen Personen, die verschiedene, mit Vorurteilen konfrontierte Gesellschaftsgruppen repräsentierten, die Rolle der „Bücher“. Sie können von den Nutzern für jeweils 30 Minuten zum Gedankenaustausch „ausgeliehen“ werden. Im gemeinsamen Gespräch werden häufig Vorurteile und stereotype Denkweisen überwunden.

Bei der gut besuchten Veranstaltung im Café „Kurswechsel“ im Foyer der VHS Oldenburg konnten am 29. März folgende „Bücher“ entliehen werden: Eine erfolgreiche Geschäftsfrau, ein Flüchtling, eine homosexuelle Person, eine konvertierte Muslima, ein kranker Straftäter, eine obdachlose Person, eine Person mit Beeinträchtigung – und eben zwei Personen mit einer Lese- und Schreibschwäche.

Als Ankündigung im Bücherkatalog war dazu zu lesen: „Die Angst ist weg. Ich bin gelandet. Jeder Tag ist wunderschön und ich bin froh, hier zu sein. Was heißt es schon, nicht lesen und schreiben zu können? Was es heißt? Es ist das Schlimmste. Ein Mensch muss funktionieren. Mit 55 Jahren habe ich meinen ersten Brief geschrieben. Für mich hat mit der Schrift ein neues Leben angefangen. Das Buch gibt Auskunft über diesen Weg in ein Leben voller Wertschätzung, Energie und Lebensqualität.“

Ab Beginn der Veranstaltung war dieses „Buch“ besonders gefragt. Die Ausleiher konnten erfahren, wie ein Leben ohne Schrift im Alltag funktioniert. Und sie waren beeindruckt, welche Erfolge auch noch im späteren Alter möglich sind.