Lesen und Schreiben als Schlüssel zur Welt

Von li.: Ernst Lorenzen, Achim Scholz, Gitta Connemann, Jan Peter Bechtluft, Brigitte van der Velde, Natascha Hartleif und Hermann Schade | Bild: Florian Feimann

Von li.: Ernst Lorenzen, Achim Scholz, Gitta Connemann, Jan Peter Bechtluft, Brigitte van der Velde, Natascha Hartleif und Hermann Schade | Bild: Florian Feimann

Am 8. Februar wurde die Ausstellung „Lesen & Schreiben. – mein Schlüssel zur Welt“ in der VHS Papenburg eröffnet. Vor 60 Gästen hielten Achim Scholz, Brigitte van der Velde und Ernst Lorenzen kurze Fachvorträge als Einführung in das Thema Alphabetisierung.

In seinem Grußwort betonte Papenburgs Bürgermeister Bechtluft, wie zugänglich und prominent die vierwöchige Ausstellung im Foyer der VHS platziert sei. „Lesen und schreiben sind für die meisten Menschen so selbstverständlich wie essen und trinken. Wer diese Fähigkeiten nicht beherrscht, ist von nahezu allen Belangen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen.“

Die CDU-Bundestagsabgeordnete und Schirmherrin Gitta Connemann forderte, die Gesellschaft müsse den Betroffenen die Angst nehmen, als Analphabeten erkannt und deshalb ausgegrenzt zu werden.

Bildungsmanager Achim Scholz erläuterte die Infotafel-Ausstellung mit ihren anschaulichen Grafiken und Statements von Lernenden und Experten sowie die neuen Konzepte und Lernangebote, die von den Regionalen Grundbildungszentren in Niedersachsen modellhaft entwickelt werden. Er machte deutlich, dass Lernfortschritte Im Lesen und Schreiben nachweislich positive Auswirkungen auf die Lebensbewältigung haben und plädierte für die Gründung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen der Betroffenen – als Experten in eigener Sache.

Ernst Lorenzen und Brigitte van der Velde haben bereits vor vier Jahren die ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg gegründet und berichteten sowohl von eigenen Erfolgen im Umgang mit Schriftsprache als auch von ihren vielfältigen Aktivitäten, anderen Betroffenen Mut zu machen, zum Beispiel durch ihre aktuelle Plakataktion.

Lorenzen: „Früher war mein Leben schwarz-weiß, heute ist es bunt.“ Er betonte, dass es ihn viel Kraft gekostet hat, mit 55 Jahren noch lesen und schreiben zu lernen. Doch habe sein Leben dadurch eine neue Qualität erfahren. „Mit unseren Aktionen wollen wir dem Thema nun Gesicht und Stimme geben!“

Brigitte van der Velde berichtete den aufmerksamen Zuhörern sehr eindrucksvoll von ihren zwei Leben. Im ersten versteckte sie ihr Geheimnis der Lese- und Schreibschwäche 25 Jahre vor ihren Arbeitskolleginnen, bis sie ihre Arbeit aus Angst vor Entdeckung kündigte. Nach jahrelangem Kompetenzerwerb in Lese- und Schreibkursen spricht sie heute als Botschafterin für Alphabetisierung bei vielen Anlässen über Lese- und Schreibschwäche bei Erwachsenen.

Die Betroffenen sind van der Velde zufolge auf die Ermutigung und Hilfe der Mitwisser aus dem sozialen Umfeld angewiesen. „Viele wünschen sich, darauf angesprochen zu werden.“ Dann könnten sie sich für Alphabetisierungskurse anmelden.

Darauf hoffen Natascha Hartleif als Leiterin der VHS Papenburg und Hermann Schade, an den sich Hilfesuchende vertraulich wenden können. Die Ausstellung „Lesen & Schreiben. – mein Schlüssel zur Welt“ soll jedenfalls Betroffene dazu ermutigen.

 

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