Zugänge in Lese- und Schreibkurse verbessern

Von li. Achim Scholz, Dr. Theresa Hamilton | Foto: Tim Opitz

Von li. Achim Scholz, Dr. Theresa Hamilton | Foto: Tim Opitz

Am 19.09.2018 lud die Koordinierungsstelle AlphaDekade zum 2. Treffen der Ansprechpartner und Koordinierungsstellen Alphabetisierung und Grundbildung der Länder und des Bundes ins Gustav-Stresemann-Institut nach Bonn ein.

Aus den Bundesländern wurde berichtet über

  • Umsetzung von Förderprogrammen und Dekade-Zielen.
  • Vernetzung mit Kooperationspartnern auf lokaler und regionaler Ebene.
  • Fortbildungskonzepte und Qualifizierungsmaßnahmen für Lehrkräfte.
  • Qualifizierung ehrenamtlicher Lernbegleiter.
  • Nachfrage und Durchführung von Sensibilisierungsschulungen für Jobcenter und Firmen.
  • Teilnehmergewinnung für Lese- und Schreibkurse durch Jobcenter.
  • Neugründungen von Grundbildungszentren.
  • Einrichtung von Lerncafes.
  • Kooperationen mit Mehrgenerationenhäusern und Bibliotheken.
  • Treffen von Lerner-Experten und Selbsthilfegruppen.
  • Fachtage zur Alphabetisierung mit verschiedenen Schwerpunktsetzungen.
  • Imagefilme, neue Ausstellungen und Broschüren.
  • Anregungen zur Grundbildungsarbeit aus dem europäischen Ausland.

Achim Scholz vom Regionalen Grundbildungszentrum (RGZ) Oldenburg benannte Beispiele erfolgreicher Ansprache von Betroffenen und lud zur Premiere des Films Mein Weg zur VHS ein, produziert vom Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.

Im RGZ Oldenburg gelingen die meisten Zugänge in Lese- und Schreibkurse durch Kooperation mit den umliegenden Jobcentern und Schulungen der Integrationsfachkräfte und Fallmanager. Viele Betroffene lassen sich auch durch offene Lernwerkstätten – als aufsuchende Bildungsarbeit – in Stadtteilzentren und Mehrgenerationenhäusern erreichen. Diese niedrigschwelligen Angebote sind attraktiv durch Wohnortnähe, Kostenfreiheit, Kinderbetreuung und Bildungsberatung vor Ort.

Auch die ABC-Selbsthilfegruppe bildet eine wichtige Brücke für Betroffene in die Lernangebote. Die Lerner-Experten haben durch ihre vielfältigen öffentlichen Auftritte, durch Medienarbeit und Schulungen schon viel Aufmerksamkeit erreichen können bei Betroffenen, Mitwissern, Multiplikatoren und politischen Entscheidungsträgern.

Als Botschafter für Alphabetisierung war es Achim Scholz ein wichtiges Anliegen, kostenfreie Grundbildungsangebote, höhere Honorare für Kursleitende und eine bessere finanzielle Ausstattung der RGZen einzufordern.

Dr. Theresa Hamilton, Leiterin des Grundbildungszentrums (GBZ) Berlin, legte bei ihrem Thema „Zugänge verbessern“ den Schwerpunkt auf das Zusammenspiel von folgenden Maßnahmen: Bei Schulungen für Multiplikatoren, insbesondere Mitarbeitern von Jobcentern, konnten seit 2014 über 1000 Personen für das Thema Lese- und Schreibschwäche sensibilisiert werden. Die beteiligten Lerner-Experten bringen dabei ihr Erfahrungswissen authentisch und überzeugend ein.

Darüber hinaus spielt die Entwicklung des Alpha-Siegels eine wichtige Rolle. Dabei werden bestehende Strukturen von Berliner Einrichtungen durch einen Dokumentencheck, Wegweiser-Piktogramme und eine Begehung durch Lerner-Experten geprüft und angepasst. Am Ende kann ein bürgerfreundliches Qualitätssiegel verliehen werden.

Alle Lern- und Beratungsangebote werden in Berlin durch einen Grundbildungs-Atlas online gesammelt und gestreut.

Über das Komm-Café als zentraler Treffpunkt der Lernenden hält das GBZ Berlin Kontakt zu den Betroffenen und kann mit ihnen gemeinsam Einsätze für öffentliche Aktionen planen.

Und schließlich dient das GBZ als Dach von bezirklichen Alpha-Bündnissen, die vor allem die Beratung und Netzwerkarbeit in die Kieze tragen.

Diese Beispiele guter Praxis aus Berlin und Oldenburg können Hinweise geben, welche Rahmenbedingungen nötig sind, um Ansprache und Zugang zu Lese- und Schreibkursen zu verbessern.

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