Lerner-Workshop in Oldenburg

Am 3.7. trafen sich 17 Lerner aus Aschaffenburg, Frankfurt, Hamburg, Lüneburg, Ludwigshafen und Oldenburg in den Räumen des ABC-Projektes zu einem ganztägigen Workshop. Für die Gastgeber aus Oldenburg führte die Lernerin Brigitte als Moderatorin durch das vielseitige Programm. Die meisten Teilnehmenden kannten sich bereits von verschiedenen Fachtagungen. Nun nutzten sie die Möglichkeit, eigene Erfahrungen intensiv auszutauschen, zum Beispiel den Umgang mit Ämtern und Medienvertretern. Es wurden aber auch bisherige Erfolge vergegenwärtigt und neue Ziele für eine gemeinsame Interessenvertretung formuliert. Die Atmosphäre war geprägt von aktivem Zuhören, gegenseitigem Verstehen und Wertschätzen.

Zunächst präsentierten Horst Uhrig, Thorsten Böhler und Tim Thilo Fellmer von der Selbsthilfegruppe Analphabeten Ludwigshafen den AlBi-Workshop zur Teilnehmergewinnung für die Qualifizierung »Lerner zu Experten«. Dafür vorgesehen sind die drei aufeinander aufbauenden Module Medientraining, Kommunikationstraining und Präsentationstraining. Sie sollen noch im 4. Quartal 2010 an je einem Wochenende durchgeführt werden. Durch Rollenspiele und Sprechübungen werden Lerner dazu befähigt, die Anfragen von Redakteuren verschiedener Medien professionell zu beantworten und sich bzw. das Thema Analphabetismus gut zu präsentieren. Nach der Darstellung dieser kostenfreien Qualifizierung zeigten neun anwesende Lerner spontan ihr Interesse, an weiteren Qualifizierungen teilzunehmen. Begleitet wird sie von Elfriede Haller, Koordinatorin Praxisteil im AlBi-Projekt und von Sabine Hüring, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Mainz. Beide waren beim Workshop zugegen.

Im zweiten Teil stellten Horst Uhrig und Elfriede Haller die Planung der Fachtagung in Weinheim vom 28.-30.10. aus Sicht der Lerner vor. Erstmalig soll es eine eigene Veranstaltung für Lernende in Form eines „World Cafe“ geben. Es ist eine Dialog-Methode für große Gruppen, wo in entspannter Kaffeehaus-Atmosphäre möglichst viele Beteiligte zu Wort kommen. An runden Tischen zu etwa sechs Personen sollen je ein Moderator bzw. ein Moderatorenpaar die Diskussion zu selbst gewählten Themen leiten. Zum Beispiel, wie sich Lerner nach Ende der derzeitigen Projekte weiter organisieren und in den Medien für ihre Interessen aufmerksam machen können. In diesem Zusammenhang wurde auch der Wunsch nach einer eigenen Lernertagung und einer eigener Homepage für Lernende geäußert.

Im dritten Teil berichteten Uwe Boldt und Sabine Ehresmann vom Hamburger Projekt GRAWIRA von ihrer einwöchigen Teilnahme am Lernerworkshop in Namur (Belgien). Dort trafen sich über 30 Teilnehmer von Alphabetisierungskursen aus verschiedenen europäischen Ländern. Über die Staatsgrenzen hinweg stärkten sie ihren Zusammenhalt. Sie hatten auch Gelegenheit, vor den Abgeordneten des Europaparlamentes in Brüssel ihre Probleme und Anliegen vorzubringen. In der nächsten Ausgabe der ABC-Zeitung wird darüber ein Bericht von Uwe Boldt zu lesen sein.

Nach der Mittagspause berichteten Manuela Janßen und Hermann Fickenfrers vom ABC-Projekt von der Entstehung der lernereigenen ABC-Online-Zeitung. Es entwickelte sich eine breite Diskussion darüber, wie man Themen findet, verständlich schreibt, Fehler korrigiert, Texte verändert und seine eigenen Interessen, aber auch Ärger über die Politik zum Ausdruck bringen kann. Viel Zustimmung fand die Idee, in einer Extra-Ausgabe der ABC-Zeitung zukünftige Lernerstrategien, Aktionen und politische Forderungen zum Thema zu machen und dazu Meinungen über Leserbriefe einzuholen.

Zum Abschluss berichteten Lernende aus dem Intensivkurs des ABC-Projektes über die Vorteile von zeitintensiven Grundbildungsangeboten. Zitat eines Lerners: „Was ich in den wenigen Monaten im Intensivkurs schon alles gelernt habe, ist Wahnsinn.“
Der Aussage „Ich hätte viel schneller lernen können, wenn ich die Chance gehabt hätte, intensiver zu lernen“ stand die Erfahrung der Berufstätigen gegenüber, dass Arbeiten und intensives Lernen nur schwer zu kombinieren ist. Es wurde darauf hingewiesen, dass man in Dänemark und Irland für Grundbildung bereits stundenweise von der Arbeit freigestellt werden kann.

Nach einem sehr intensiven Meinungsaustausch verabredeten sich die Lerner, die Diskussionen bei der Fachtagung in Weinheim auf jeden Fall fortzusetzen. Alle äußerten große Zufriedenheit über diesen gelungenen Workshop, den das AlBi-Projekt in Kooperation mit dem ABC-Projekt ermöglicht hatte und zu dem jeder der Beteiligten etwas beitragen konnte.

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