Der erste Mensch

Akteure der ABC-Selbsthilfegruppe und des ALFA-Mobils im Staatstheater Oldenburg

In seiner Autobiographie „Der erste Mensch“ beschreibt der Literaturnobelpreisträger Albert Camus, 1913 im Armenviertel Algiers geboren, die bewegende Geschichte seiner Kindheit. Alle seine erwachsenen Bezugspersonen konnten weder lesen noch schreiben, das war für sie völlig normal. Erst sein Volksschullehrer Louis Germain erkennt das große Talent des Jungen, förderte ihn über Jahre und ebnet ihm den Weg zum Abitur. So wurde aus Camus kein Gelegenheitsarbeiter, wie aus vielen Jungen seiner Generation, sondern einer der bedeutendsten Schriftsteller der Welt.

 „In Monsieur Germains Klasse nährte die Schule in uns einen Hunger, der für das Kind noch wesentlicher ist als für den Mann. Den Hunger nach Entdeckung. Auch in den anderen Klassen lehrte man uns vieles, aber so, wie man Gänse mästet. Bei Monsieur German fühlten wir zum ersten Mal, dass wir existieren und Gegenstand höchster Achtung waren: Man hielt uns für würdig, die Welt zu entdecken.“

Joachim Król und das L´Orchestre du Soleil präsentierten am 27.01.2019 im Oldenburger Staatstheater die unglaubliche Geschichte einer Kindheit nach Albert Camus. Als Kooperationspartner der AlphaDekade begleiteten die VHS Oldenburg, die ABC-Selbsthilfegruppe und das ALFA-Mobil die Theaterinszenierung.

An die über 600 Theaterbesucher im ausverkauften Haus wurden Infobroschüren und ABC-Zeitungen verteilt. An zwei Infotheken standen fünf Akteure der ABC-SHG, Bildungsmanager Achim Scholz und drei Mitarbeiter des ALFA-Mobils für Gespräche über Analphabetismus in Deutschland zur Verfügung. Sie wiesen darauf hin, dass wie im Falle von Albert Camus der persönliche Kontakt den Mut befördern kann, auch im Erwachsenenalter noch lesen und schreiben zu lernen. Deshalb soll die Aufklärung vor allem Menschen im sozialen Umfeld der Betroffenen erreichen.

Die Westfälische Zeitung schrieb über das Bühnenprogramm:

„Es beschleicht einen als Zuhörer das Gefühl, dass dieses Leben in Armut und Einfachheit vielleicht tatsächlich reicher war, als das moderne Leben im gleichmäßigem Plätschern der Smartphones, von dem heute so manche Kindheit bestimmt wird. Es war ein ganzer Ozean an Gefühlen, der hier über das Publikum hereinbricht – zum Lachen, zum Weinen und zum Nachdenken. Ein wirklich bewegender Abend.“

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