Studenten als Multiplikatoren

Von li.: Achim Scholz, Anna-Maria Hintz, Ernst Lorenzen

Ernst Lorenzen von der ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg und ihr Mentor Achim Scholz, Bildungsmanager für Alphabetisierung und Grundbildung bei der VHS Oldenburg, konnten am 24. Juni einen Vorlesungstermin in der Carl-von Ossietzky-Universität Oldenburg gestalten. Thema: Erwachsene mit geringer Literalität und ihr Zugang zur Schrift in einem zweiten Anlauf.

Eingeladen hatte Prof. Dr. Anna-Maria Hintz vom Lehrstuhl Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen des Lernens unter besonderer Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse.

Ernst Lorenzen und Achim Scholz hatten in der Vergangenheit schon mehrfach den Dialog mit Studierenden gesucht und in Seminaren der (Rehabilitations-)Pädagogik zum Thema Alphabetisierung und Grundbildung bei Erwachsenen gesprochen.

Sowohl Studierende, die das Lehramt Sonderpädagogik anstreben als auch Studierende mit dem Wunsch, im außerschulischen Bereich tätig zu werden, kommen möglicherweise in der Berufspraxis in Kontakt mit dem Thema Lese- und Schreibschwierigkeiten. Dies gilt sowohl für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sowie Personen in anderen Bildungskontexten. Deshalb sind sie als Multiplikatoren eine wichtige Zielgruppe in der AlphaDekade, mit der sich Bund, Länder und Partner verstärkt dafür einsetzen, die Grundbildung in Deutschland zu verbessern.

In der Vorlesung „Einführung in Formen von Entwicklungsbeeinträchtigungen und Special Education Needs“ erzählte zunächst Ernst Lorenzen als ehemals Betroffener seine Lebens- und Lerngeschichte, zum Beispiel auch, wie er damals auf der Sonderschule landete und auch dort zu wenig Unterstützung erfuhr. Über 40 Studierende der Sonderpädagogik hörten interessiert zu.

Im zweiten Teil umriss Achim Scholz anhand der gerade veröffentlichten LEO-Studie „Leben mit geringer Literalität“ die Dimension des Problems einer Lese- und Schreibschwäche im Erwachsenenalter und erklärte, wie in Kursen der VHS Oldenburg das Lesen und Schreiben nachholend vermittelt wird.

Viele Fragen wurden gestellt:
Woran es liegt, dass ein Kind nicht lesen und schreiben lernt? Was hätte sich Ernst Lorenzen von seiner früheren Lehrerin gewünscht? Wie könnte man in der Schule das Lesen und Schreiben besser fördern? Warum haben so viele Erwachsene mit geringer Literalität Angst davor, sich zu outen? Wie kann man das Lernen auch mit Spaß verbinden? Bringt die technische Entwicklung im Sinne der Digitalisierung für Lernende vor allem Vor- oder Nachteile?

So entstand sehr schnell eine sehr intensive und erkenntnisorientierte Diskussion, so dass die knapp zwei Stunden kaum ausreichten, alle Fragen eingehend zu beantworten.

Eine Woche später bekam Prof. Dr. Anna-Maria Hintz folgende Rückmeldungen von den StudentInnen der Vorlesung, die auf eine nachhaltige Wirkung deuten lassen:

  • Super, die Perspektive sowohl von Betroffenen als auch von Lehrenden zu erfahren
  • Interessant und erschreckend, wie viele Menschen es gibt, die als Erwachsene
        erst noch Lesen und Schreiben lernen
  • Erschreckend, zu sehen, dass nicht lesen und schreiben zu könne, noch immer ein
        Tabuthema zu sein scheint
  • Einsicht, dass nicht jede Beeinträchtigung sichtbar ist
  • Einsicht, dass (funktionaler) Analphabetismus ein Schicksal sein kann, dass sich
        durch Probleme im (Bildungs-)System ergibt
  • Erschreckend, dass auch der damalige Sonderschulbesuch als eher wenig hilfreich
        empfunden wurde
  • Interessant und wissenswert, dass es verschiedene Hilfsmöglichkeiten,
        Selbsthilfegruppen etc. gibt (günstige und vielfältige Angebote)
  • Bemerkenswert, dass jede/r die Zeit zum Lernen bekommen kann,
        die sie/er benötigt (andauernde Kurse bei der VHS)
  • Wichtigkeit und Verantwortung des eigenen Berufsfeldes als SonderpädagogInnen

 

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