Im Gespräch mit Studierenden

(Foto von li.: Achim Scholz, Anna-Maria Hintz, Ernst Lorenzen)

Nach über zweijähriger pandemiebedingter Pause waren Ernst Lorenzen und Achim Scholz am 12. Juli erneut zu einem Vortrag zum Thema Alphabetisierung Erwachsener in die Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg eingeladen. Gastgeberin war Prof. Dr. Anna-Maria Hintz vom Lehrstuhl Pädagogik und Didaktik bei Beeinträchtigungen des Lernens unter besonderer Berücksichtigung inklusiver Bildungsprozesse. Im Hörsaal 2 versammelten sich Studierende eines 8. Semesters im Masterstudiengang zum Lehramt Sonderpädagogik.

Als Einstieg in die Lebenswirklichkeit von Menschen mit geringer Literalität wählte Achim Scholz drei „Fallgeschichten“ von Betroffenen. Daraufhin veranschaulichte Ernst Lorenzen als ehemals Betroffener seine Lebens- und Lerngeschichte, was er auf der Sonderschule erlebte, wie er sein Berufsleben bewältigte und mit 55 Jahren begann, das Lesen und Schreiben in einem zweiten Anlauf zu meistern.

Dadurch wurden die Studierenden zu verschiedensten Fragen inspiriert:

    •  Wurde das Problem der Lese- und Schreibschwäche am Arbeitsplatz offengelegt?
    •  Wie vollzogen sich die Lernfortschritte im Lese- und Schreibkurs?
    •  Was zeichnet eine gute Lehrkraft aus?
    •  Wie werden Migrant*innen in die Lese- und Schreibkurse eingebunden?
    •  Lernen Erwachsene anders als Kinder?
    •  Wie wirken sich technische Hilfsmittel wie Computer, Tablet und Handys aus?
    •  Wie erfolgt die Finanzierung der Lese- und Schreibkurse bei der VHS?
    •  Gibt es eine nachhaltige Entwicklung im Lernen?
    •  Führen die Lernangebote zu verbesserten Berufschancen?
    •  Welche Wünsche haben Betroffene an die Schule von heute?

Beim Thema Mitwisser verwiesen einige auf Familienmitglieder, die ebenfalls ein Problem mit dem Lesen und Schreiben gehabt hätten, ohne dass es offen thematisiert worden wäre.
Die emotionale Betroffenheit der Studierenden wurde in den Rückmeldungen am Ende der 90-minütigen Veranstaltung deutlich:

    •  „Ohne diese Berichte hätte ich mir die langandauernden psychischen Auswirkungen
        einer Lese- und Schreibschwäche nicht vorstellen können.“
    •  „Mir ist deutlich geworden, dass beim Schriftspracherwerb in der Schule alle
        mitgenommen werden müssen, auch noch in der 8. Klasse.“
    •  „Mir ist deutlich geworden, dass sich so schlimme Schulerfahrungen auf
        das ganze Leben eines Menschen auswirken können.“
    •  „Die geschilderten Lebensgeschichten haben mir vor Augen geführt, welch große
        Verantwortung wir zukünftigen Lehrkräfte in der Schule haben werden.“

Zur weiteren vertieften Beschäftigung mit dem Thema Lesen und Schreiben für Erwachsene nannte Achim Scholz die Website www.abc-projekt.de, wo viele nützliche Informationen, erwachsenengerechte Unterrichtsmaterialien, Online-Übungen, Filmdokumentationen und vieles mehr zu finden sind.

1 Kommentar
  1. Lieber Ernst, lieber Achim,
    toll, dass ihr das gemacht habt!
    Ihr scheint den Studenten wirklich etwas mit auf ihren Weg gegeben zu haben.
    Liebe Grüße
    Gaby
    Begleitung
    Shg Wortblind Lüneburg

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