Schreiben mit Erfolg

Klaus Maaß (Bild: Heidi Scharvogel)

Wer noch Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat, kann trotzdem tolle Texte schreiben. Manchmal entdecken das die Lernenden erst im Kurs. Manche entwickeln sogar eine richtige Schreibfreude – wie auch Klaus Maaß. Vor seinem Kursbeginn hat er nie einen Text geschrieben, aber gern gelesen und immer die Ausdrucksweise der Autoren bewundert. Nach seinen zahlreichen Artikeln für die ABC-Zeitung steht nun ein Text von ihm in einem richtigen Buch – Heraus mit den Sprachen.

Er hat 2020, wie vier anderer Lernende der VHS Oldenburg an einem Schreibwettbewerb des Vereins „Die Wortfinder e.V.“ teilgenommen. Insgesamt haben sich über 700 Menschen mit und ohne Behinderung beteiligt. Zeichnungen und Malereien von zehn KünstlerInnen, welche selbst nicht schreiben und auch nur wenig sprechen können, dienten als Schreibanregung.

 

Uhr
Klaus Maaß

Die Uhr schlägt für uns alle, es ist fünf vor zwölf. Wir müssen mit dem Wahnsinn aufhören, die Natur zu vergiften und endlich aufwachen. Denn morgen ist es zu spät für uns und die Natur. Die Natur braucht den Menschen nicht, aber wir brauchen die Natur zum Überleben.

Es ist traurig, wie wir mir der Umwelt umgehen. Wir beuten sie aus und quälen sie. Aber wir sind jetzt an einem Punkt angelangt, wo es nicht mehr weitergeht. Man braucht sich nur die Vermüllung der Weltmeere und die Erderwärmung vor Augen zu halten. Es ist schon sehr schlimm, aber jetzt haben wir noch eine letzte Chance, das Ruder herum zu reißen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Jeder von uns kann seinen Beitrag zur Rettung von Mensch und Natur leisten. Viele kleine Teile ergeben ein Ganzes. Also lasst uns endlich handeln, indem wir bewusster kaufen. Man muss nicht immer das Neueste vom Neuen haben, wenn das Alte noch gut ist. So kann jeder von uns etwas für die Natur tun. Und man spart sogar noch Geld. Viele kleine Steine ergeben ein Haus.

 

Auch Farzanas Text hat es ins Buch geschafft, das 500 Seiten stark ist und eine große Vielfalt an Gedichten, Geschichten und anregenden Gedanken bietet.
 

Meine große Familie
Farzana

Ich habe immer viel zu tun.
Meine Familie ist groß.
Wir haben sechs Kinder.
Ich stehe um 6 Uhr auf und mache für alle das Frühstück.
Und sechs Dosen für unterwegs mit Brot, Käse und Paprika.
Dann bringe ich meinen kleinen Sohn in den Kindergarten.
Am Vormittag gehe ich zum Deutschkurs.
Danach koche ich für alle, wasche das Geschirr und
mache die Küche sauber.
Dann bin ich müde und habe Kopfschmerzen.
Aber ich muss noch aufräumen und putzen.
Und ich muss viel Wäsche waschen und bügeln.
Ich muss im Supermarkt viele Sachen einkaufen.
Ich habe auch viele Termine.
Und ich muss eine neue große Wohnung suchen.
Das ist sehr schwierig für sieben Personen.
In der Nacht kann ich nicht gut schlafen.
In meinem Kopf ist alles durcheinander.
Ich muss so viel denken.

 

Wir ermutigen unsere Kursteilnehmenden immer wieder an Schreibwettbewerben teilzunehmen. Gerade hat die Zentrale Beratungsstelle für Basisbildung und Alphabetisierung in Österreich einen Schreibwettbewerb mit dem wunderbaren Thema „Schriftlos heißt nicht sprachlos – (m)eine Geschichte“ gestartet. Da sind wir aus Deutschland leider vom AutorInnenkreis ausgeschlossen, aber wir freuen uns jetzt schon auf die Texte, die wir bestimmt sehr gut in unseren Kursen lesen können.
 

2 Kommentare
  1. Wie ich soeben erfahren habe, dürfen beim Schreibwettbewerb auch Kursteilnehmende aus Deutschland mitmachen. 🙂

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