Selbsthilfetag 2019

Von li.: Frank Hahn (BeKoS), Lutz Herbst (Famila), Christine Wolff (Bürgermeisterin), Achim Scholz, Bärbel Kitzing, Hermann Fickenfrers, Ernst Lorenzen, Fabian Duetsch, Hermann Tülp

„Toll, dass Sie bereit sind, Ihre Arbeit vorzustellen. Vieles ist möglich, wenn Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen. Jeder ist Experte in eigener Sache. Das authentische Wissen selbst Betroffener ist sehr wichtig.“ So begrüßte Bürgermeisterin Christine Wolff (Grüne) die Vertreter von 20 Selbsthilfegruppen beim Selbsthilfetag 2019 zum Ende der Inklusionswoche im Famila-Einkaufsland in Wechloy. Er wurde unter dem Motto „Selbsthilfe – da kann ja jeder/jede kommen“ von der Beratungs- und Koordinationsstelle für Selbsthilfegruppen (BeKoS) organisiert.

Zum dritten Mal mit einem eigenen Infostand dabei war auch die ABC-Selbsthilfegruppe mit sechs Aktiven und Mentor Achim Scholz. Während der ganztägigen Veranstaltung von 10 bis 18 Uhr kamen viele unterschiedliche Menschen an den Infostand, darunter viele Erzieherinnen und eine Ausbilderin von Erzieherinnen. Sie zeigten besonderes Interesse an den Broschüren Fit für die Schrift und Jeden Tag ein Bilderbuch und wollen sich fortan als Multiplikatoren betätigen.

Am Infostand der ABC-Selbsthilfegruppe

Lehrkräfte, Förderschullehrer, Lesepaten und Sozialpädagoginnen zeigten Interesse an Lektüre in einfacher Sprache, zum Beispiel an dem von einem Lesekurs der VHS Oldenburg herausgegebenen Buch Horoskope lügen nicht. Auch Mitarbeiter von Werkstätten für Behinderte freuten sich über Empfehlungen für Lernmaterial, zum Beispiel die Lernsoftware Beluga.

Zu Gast am Stand waren auch ehemalige Lerner aus Lese- und Schreibkursen und Migranten, die ihr Deutsch verbessern möchten. Ein ehemaliger Legastheniker wollte gerne spenden, weil er wisse, was es bedeutet, nicht richtig lesen und schreiben zu können.

Eine Suchttherapeutin einer Beratungsstelle sprach von „doppelter Scham“ ihrer Klienten und nahm sich Flyer zum Auslegen mit. Eine Besucherin meinte jemanden aus der Nachbarschaft zu kennen, der ein Lese- und Schreibproblem hat und wurde als Mitwisserin um Ermutigung des Betroffenen gebeten.

Häufig wurde nach den Ursachen einer Lese- und Schreibschwäche gefragt. Dazu meinte eine Besucherin: „Wenn Sie ein Elternhaus haben, wo alles stimmt, ist das ein Sprungbrett ins Leben.“

Insgesamt wurden am Stand der ABC-Selbsthilfegruppe Oldenburg sehr viele Informationen gegeben, Fragen beantwortet, Broschüren und ABC-Zeitungen verteilt und Kontakte geknüpft. Auch die Bürgermeisterin und die Sozialdezernentin nahmen am Infostand die Möglichkeit wahr, authentisch über Hintergründe des Themas informiert zu werden. Sie lobten ebenso wie Lutz Herbst als Center-Manager des Famila-Einkaufslandes, den Mut der Betroffenen, an die Öffentlichkeit zu gehen: „Sie machen eine sehr gute und wichtige Arbeit. Weiter so!“

Selbsthilfetag 2019 im Famila-Einkaufsland

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